Der Wolkersdorfer Philipp Kaider kürte sich bei den 24h-Zeitfahr-Weltmeisterschaften in Borrego Springs (USA) mit einer beeindruckenden Leistung von 856 zurückgelegten Kilometern zum Weltmeister. Ein Traum ging dabei für den 37-Jährigen in Erfüllung. Nur Ultra-Radspezialist und Streckenrekordhalter Christoph Strasser konnte in der kalifornischen Wüste schon einmal mehr Kilometer in 24 Stunden fahren.
Nach einem herausfordernden Jahr (Infekt, Bandscheiben- und Zahn-OP) fiel am Freitag um 17:00 Uhr Ortszeit (Samstag, 01:00 Uhr MEZ) für den Niederösterreicher Philipp Kaider der Startschuss zur 24h-Weltmeisterschaft. Rund zwei Autostunden östlich von San Diego, in Borrego Springs, galt es auf einem 29km langen Rundkurs einen ganzen Tag lang so viele Kilometer wie möglich zu absolvieren. Von Beginn an lieferte sich der Sportland Niederösterreich Athlet dabei ein spannendes Duell mit dem Luxemburger Ralph Diseviscourt (3. Platz Race Around Austria 2020, Sieger Glocknerman 2019 und u.a. Race Across Italy 2016, 2018, 2019), ehe dieser nach rund 7,5 Stunden durch einen Unfall das Rennen frühzeitig beenden musste. „Mal war Ralph drei Sekunden schneller auf einer Runde, mal ich. Es ist so schade! So wollte ich nicht gegen ihn gewinnen!”, so Kaider.
Eine mentale Herausforderung
Somit war der Weg vermeintlich frei. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte der 37-Jährige bereits einen Vorsprung von über 50km auf die weiteren Verfolger. Vermeintlich deshalb, weil das Rennen erst zu einem Drittel gefahren war und die Nacht noch lange dauerte. „Es war sehr hart! Eiskalt! Mein Garmin (Anm.: Radcomputer) zeigte mir nur 2,5° C Grad an, während wir unter Tags 28° C hatten. Ich war zwar mit einem Paar Handschuhen und Knielingen vom Start weg darauf vorbereitet, aber durch die Kälte konnte ich die Trinkflaschen nicht gut greifen und habe dadurch zu wenig Flüssigkeit und Kohlehydrate zu mir genommen. Für mich hieß es dann durchbeißen, die harten Zeiten zu akzeptieren und einfach reinzutreten”, so der erfahrene Wolkersdorfer über die schwierigen Bedingungen.
Erst mit Tagesanbruch und Sonnenaufgang sollte sich die Situation bessern und nachdem er stetig die Führung ausbaute und der Titel greifbar war, musste ein neues Ziel her: Nur vier Athleten konnten bisher die Schallmauer von 500 Meilen (rund 805 km) in der Geschichte des Rennens durchbrechen. Nur einer, nämlich der Österreicher Christoph Strasser, gar weiter als 850 km fahren. Auch wenn Strassers Streckenrekord von 913 km von 2018 für Kaider diesmal außer Reichweite war, so ging es nun darum als zweiter Athlet überhaupt weiter als 850 km im Rahmen dieser WM zu fahren.
Ein Traum ging in Erfüllung
Nach 24 Stunden am Rad war es dann gewiss: Mit 856 gefahrenen Kilometern ist der Niederösterreicher nun nicht nur im exklusiven Club der Athleten, die über 850 fahren konnten, sondern damit auch Weltmeister im 24h-Zeitfahren 2022. „Dieser Titel bedeutet mir sehr, sehr viel. Es war schon immer ein Traum von mir hier dabei zu sein und das Rennen hier zu gewinnen. Seit Straps (Anm.: Spitzname von Christoph Strasser) hier zum ersten Mal gewonnen hat, hatte ich dieses Ziel hier im Kopf!”, so Kaider überglücklich im Ziel.
Foto: Kaider Team