Auf seinem Weg durch die USA hat Philipp Kaider bereits 1700 Kilometer zurückgelegt. Mit dem Wolf Creek Pass (3309m über dem Meer) hat der Niederösterreicher den höchsten Punkt der knapp 5000 km langen Strecke hinter sich gebracht. Nach über zwei Tagen im Rennen treten nun aber die ersten kleinen körperlichen Probleme auf.
Seit über zwei Tagen ist Philipp Kaider im Rennen und es ist keine Spur von Müdigkeit zu erkennen. Nach seiner ersten (ungeplant kurzen) 40-minütigen Schlafpause kämpfte sich der Niederösterreicher in den letzten 24 Stunden von Timestation 12 in Richtung Rocky Mountains. Körperlich erwartete Durchhänger wurden mit Kaffeeshots und einem Besuch seiner Mediacrew, die seinen Ehrgeiz gepackt hat, sich gut zu präsentieren, abgefedert. Die noch hohen Temperaturen und starker Verkehr verlangten ihm aber wieder einiges ab. „Auf dem zweispurigen Highway hatte ich 20cm als Fahrradstreifen, dementsprechend nahe sind die Autos und LKWs an mir vorbeigefahren”, muss Kaider jederzeit fokussiert sein.
Erste Probleme, aber nichts Tragisches
Um den 40-Jährigen Richtung Berge zu bringen, musste die Crew dann alle Kunststücke auspacken, denn erste Probleme in Knie, Schulter, Gesäß und Hände machten sich breit. Kaider nimmt es gelassen: „Das Übliche, aber nix Tragisches”. Ein Teamwechsel wurde für einen Physiocheck genutzt und frisch gewaschen ging es auf die (zweispurige) Auffahrt zur höchsten Erhebung der RAAM-Strecke: dem Wolf Creek Pass auf 3309m über dem Meer.
Dünne Luft am Wolf Creek Pass
Auch wenn die Temperaturen im Vergleich zum Vorjahr bei weitem nicht so kühl waren, hatte Kaider aber mit der dünnen Luft in dieser Höhe zu kämpfen. Jeder Schluck aus der Trinkflasche bedeutete zwei Atemzüge auszusetzten: „Da wird einem schwarz vor Augen!” Alles in allem meisterte Kaider den Anstieg aber bravourös und am Pass oben wurde er von Holzarbeitern mit großem Applaus empfangen. „Ein Gänsehautmoment”, beschreibt die Crew die Szene.
Abfahrt und weiter Richtung Kansas
Die Abfahrt hatte es dann wieder in sich. Durch den Schlafentzug und dem „Nicht-Pedalieren” in dieser beeindruckenden Kulisse ist der Kreislauf nicht in Schwung. Nach der Abfahrt wurde es wieder flacher und der Niederösterreicher konnte kurz durchschnaufen, ehe mit dem „La Veta Pass” ein nächster steiler Anstieg wartete. Die Temperaturen fielen erstmals unter 10°C, aber auch dieser Anstieg wurde gemeistert. Starker Wildwechsel erfordert danach die volle Konzentration. Nachdem Kaider am Vortag nur wenig geschlafen hat, war dies der perfekte Zeitpunkt, um eine Schlafpause einzulegen und einen Teamwechsel durchzuführen.
Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 29,7 km/h liegt der Sieger von 2025 bereits sechs Stunden vor seiner Vorjahrzeit. Es geht jetzt für ihn weiter bergab raus aus dem Wald und rein in die „Prärie” nach Kansas.
Foto: Joe Ambrosch — © Joe Ambrosch