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RAAM 2026 Tag 5: Mehr als die Hälfte ist geschafft

RAAM 2026 Tag 5: Mehr als die Hälfte ist geschafft

Philipp Kaider hat am Samstagvormittag um 09:51 Uhr (18:51 Uhr MESZ) nach 2469 km den Halfwaypoint beim Rennen durch die USA erreicht. Es war ein emotionaler Moment.

Der Start in den Tag gestaltete sich für Philipp Kaider nach der Schlafpause schwierig. „Er hat schwer in den Tag gefunden und hatte zunächst Probleme mit der Orientierung”, berichtet Stefan Krejcza von der Tagschicht. Auch der Vormittag verlief zäh, ehe der Vorjahressieger schließlich auf Touren kam.

Für einen emotionalen Moment sorgte dann der „Halfwaypoint” des Rennens. Die Erleichterung über die bereits absolvierte Distanz mischte sich mit der Erkenntnis, dass noch einmal dieselbe Strecke vor ihm liegt.

Körperliche Beschwerden

Dazu kamen körperliche Beschwerden. Vor allem das „Sitzfleisch” sowie Verspannungen im Nacken- und Schultergürtel machen ihm zu schaffen. Kein Wunder, schließlich absolviert Kaider die enormen Distanzen weiterhin auf seinem Zeitfahrrad, dem Scott Plasma. Ein zusätzlicher Zwischenstopp war notwendig, um ihn physiotherapeutisch zu behandeln. Entwarnung gibt das Betreuerteam dennoch: „Momentan ist alles stabil und gut handhabbar.” Der 40-Jährige absolviert während der Fahrt auch am Rad konsequent seine Übungen.

„Mir taugt das!”

Bis auf die kleinen Wehwehchen konnten ihm die endlosen Geraden hingegen wenig anhaben. Im Gegenteil: „Mir taugt das! Da kann ich den Kopf einfach runterlegen, bin total aero und schnell mit dem Rad. Das ist wie Indoor-Training – nur dass man halt draußen ist”, beschreibt Kaider die besonderen Bedingungen.

Missouri erreicht

Mittlerweile haben Kaider und sein Team Kansas hinter sich gelassen und Missouri erreicht. Die Veränderung ist deutlich spürbar. Die Landschaft präsentiert sich wesentlich grüner, die typischen Ziegelbauten prägen das Bild vieler Ortschaften, und auch die Ortsnamen klingen bereits anders als in den westlichen Bundesstaaten. Besonders erfreulich: Entlang der Strecke tauchen erstmals immer wieder Zuschauer auf, die den Niederösterreicher anfeuern. „Das sind nette Momente für Philipp. Diese Unterstützung pusht ihn zusätzlich”, berichtet das Team.

Missouri hat Kaider vom Vorjahr noch im Kopf: „Schön, schön schwül, warm – da geht es immer gschupft dahin.” Entscheidend wird in diesem Terrain sein, den Schwung optimal auf den Gegenhügel mitzunehmen.

Eine weniger angenehme Erinnerung verbindet der Niederösterreicher ebenfalls mit diesem Abschnitt der Strecke: „Von Missouri bis ca. Ohio ist derselbe Geruch: ‚Roadkills’. Überfahrene Gürteltiere, Opossums und alles, was da sonst noch am Straßenrand liegt.”

Rhythmus am Nachmittag

Während die Vormittage aktuell noch etwas Anlaufzeit benötigen, läuft es am Nachmittag und Abend immer ausgezeichnet. Dann findet Kaider seinen Rhythmus und kann sein Tempo konstant hochhalten. Trotz aller Herausforderungen bleibt die Stimmung im Team positiv.

Für zusätzliche Abwechslung sorgt inzwischen auch die Musik. Erstmals hat die Crew begonnen, nach vorgegebenen Themen Songs für ihn auszuwählen. Über die musikalische Auswahl wurde allerdings bereits intensiv diskutiert. Musik ist für Kaider ein wichtiger Bestandteil seiner langen Tage im Sattel. Schließlich spielte er selbst früher Bass – in seiner, wie er schmunzelnd sagt, „wilden Zeit”. Eine Zeit, „als das Wochenende am Mittwoch begonnen und am Sonntag geendet hat” und er noch Kettenraucher war.

Foto: Joe Ambrosch — © Joe Ambrosch